Das Berufsbild des Küsters

Was ist ein Küster

Meinen Ausführungen möchte ich eine Vers aus Psalm 26 voranstellen. Er lautet:

„Herr ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“

Dies ist der schönste Vers, mit dem der Dienst eines Küster überschrieben wird. Und es ist gut, wenn man dieses auch so nachsprechen kann.

Wenn man diese Stätte – die Kirche – wirklich liebt, dann wird man sie auch gern besuchen und in sie hineingehen. Denn das „Haus des Herren“ soll ja der Ort sein, wo Menschen von der Hektik in die Stille, vom Getrieben werden in die Gelassenheit und von der Resignation zur Hoffnung kommen sollen

Wer den Besuch einer Kirche, das Feiern eines Gottesdienstes so erlebt, der wird erfahren, daß es einen Unterschied zwischen „dem Ort, da seine Ehre wohnt“ und „der Stätte seines Hauses“ gibt. Denn der Ort, da seine Ehre wohnt meint mehr, ist größer als nur der Kirchbau. Denn Gott wohnt überall dort, wo man ihn einläßt.

Die Kirche soll aber der Ort sein, wo wir uns ganz besonders auf Gott konzentrieren wollen. Und dort, in diesem Haus tut der Küster seinen Dienst.

Küster: lateinisch = custos / custor = Wächter

Diese Bezeichnung ist wohl in der Mehrzahl der Landeskirchen Deutschlands und darüber hinaus gebräuchlich. Aber es gibt auch Landeskirchen oder Gebiete in denen dieser Beruf eine andere Bezeichnung findet.

Frage: Wer kann andere Bezeichnungen für den Küster nennen?

Glöckner = aus einer alten Bestimmung aus dem Jahre 1580. Er war besonders für die Einhaltung der Läuteordnung verantwortlich.

Sigrist = eine Bezeichnung aus der Schweiz. Der Name ist wohl von dem lateinischem Wort sacrista abgeleitet. Der Name weist auf den Mann, der für die heiligen Dinge in Kirche und Sakristei zu sorgen hat.

Kirchenvogt = eine Bezeichnung aus Braunschweig

Mesner = der Ausdruck ist besonders im süddeutschen Raum gebräuchlich und wird nicht etwa von der katholischen Messe abgeleitet, sondern leitet sich von  man sio narius  ab. Darin steckt das Wort mansio: Bleibstätte, Wohnung, Haus. Auf die Kirche übertragen ist es der Name für den Beauftragten, der ein Raum bewohnt, der dem Gotteshaus zugeordnet ist, und der die Pflicht hat die Kirche zu bewachen.

Kirchner  = eine Ableitung von dem Wort Kirche. Schon in einer alten Kirchenordnung aus dem Jahre 1530 gebraucht.

Vorsicht ist bei dem Namen Küster geboten, wenn er aus einer Berliner Kirche kommt. Denn in der Berliner Kirche ist der Küster der Mann, der im Gemeindebüro die Schreibarbeit erledigt, aber keinen Dienst in der Kirche selbst verrichtet. Er ist also der Verwaltung zugeordnet. Den Dienst in der Kirche verrichtet dort der Kirchwart und im Gemeindehaus heißt diese Person Hauswart.

Wir wollen zukünftig aber bei der Bezeichnung Küster bleiben.

Es ist interessant, daß die alte christliche Kirche kein Amt kannte, dessen Träger den Titel custos führte. Zuerst scheint diese Bezeichnung in den spanischen Klöstern vorgekommen zu sein. Der custos war dort der Mönch, der für die Klosterkirche zu sorgen hatte. Später wurden auch der Bischof, der Abt oder der geistliche Vorsteher einer Pfarrkirche, also jeder, der über ein Gotteshaus zu bestimmen hatte, custor genannt.


Biblischer Ursprung des Küsteramtes

Zunächst möchte ich mit ihnen über den biblischen Ursprung des Küsteramtes sprechen, denn es entwickelte sich aus dem bereits in der Bibel erwähnten Diakonenamt. Der Dienst des Küster ist also einer der ältesten Dienste in der Gemeinde.

Die Diakonen (siehe Apostelgeschichte 6), deren Hauptaufgabe in erster Linie die Versorgung der Armen, der Witwen und der Weisen war, waren immer auch für die „äußeren Dienste“ im gottesdienstlichen Leben der Gemeinde zuständig. Sie sorgten für die kirchliche Ordnung, öffneten und schlossen die Türen der Kirche. Sie bereiteten alles zum Gottesdienst vor, und hielten „die Sünder“ und „die von Bösen Geistern gequälten“ vom Altar fern. Sie waren für den reibungslosen Ablauf des Gottesdienstes verantwortlich.

Sie unterstützten die Priester, nahmen die Opfergaben der Gläubigen an, unterrichteten die „Katechumenen“, das heißt, sie Unterwiesen die Täuflinge. Sie waren für die Psalmgesänge zuständig, teilten das Abendmahl mit aus, und wachten an der Pforte über Ordnung und Sitte.

Sie standen in der Mitte zwischen Priester und Gemeinde.

In der Zeit um 325 n.Ch. wird von ihnen verlangt, das Ohr, Auge, Mund, Herz und Seele ihres Priesters zu sein.

In der Verbundenheit von Bischof und Diakon lag die Kraft beider Ämter.

Es ist klar, daß bei der Fülle von Aufgaben, die Arbeit bereits früh auf mehrere Diakone verteilt werden mußten.

Im Jahre 251 ist in einem Brief des Bischofs Cornelius von Rom, von einem Türhüter die Rede. Dieser Türhüter erhält die Schlüssel der Kirche vom Bischof. Ihm obliegt neben der Obhut über das Kirchengebäude die Sorge dafür, daß das Gotteshaus rechtzeitig geöffnet und geschlossen wird. Er gibt die Zeit des Gottesdienstes pünktlich bekannt und sorgt dafür, daß nur solche am Gottesdienst teilnehmen dürfen, die dazu berechtigt sind.

Wenn sie so wollen war das die erste Dienstanweisung für Küster.


Geschichtliche Entwicklung des Küsterdienstes

Sprechen wir vom Dienst des Evangelischen Küsters, so können wir erst nach der Reformationszeit beginnen.

Damals zeigte sich, daß ohne einen Helfer im Gotteshaus, im Pfarrdienst und in der Gemeinde nicht auszukommen war. So wurde in der Regel in der Gemeinde ein Mann angestellt, der dem Pfarrer bei seinen Aufgaben behilflich war, und das war eben der Küster.

Da es in der Zeit nach dem dreißigjährigen Krieg nur wenige Orgeln in den Kirchen gab, brauchte man für den Gemeindegesang einen Vorsänger. Also wurde der Küster mit diesem Dienst betraut, wenn er einigermaßen singen konnte. Außerdem mußte er lesen können, um aus dem Gesangbuch oder dem Psalter etwas zu singen. Darum konnte zu diesem Amt nur der Berufen werden, der selber lesen konnte. In den Dörfer der damaligen Zeit war das keine Selbstverständlichkeit. Wenn also so ein Mann gefunden war, dann mußte er natürlich auch der Jugend das Singen beibringen. So kam zum Dienst des Küster, der Dienst des Kantors, und später ganz allmählich auch der Dienst des Schulmeisters hinzu.

Der Küster, der nun zugleich Kantor und Schulmeister war, mußte bei allen kirchlichen Handlungen die „äußeren Dienste“ nach den Anordnungen des Pfarrers leisten. Weiter mußte er der Jugend das Beten, die Gebote und den Glauben lehren, woraus sich dann allmählich regelrechter Unterricht im Schreiben und später auch im Rechnen und in anderen Fächern entwickelte.

Dabei war die Besoldung des Küsters so gering, daß er meist einem Handwerk oder dem Bauerngeschäft oder einem anderen Amt nachgehen mußte, zum Beispiel dem Amt des Gerichtsschreibers.

Diese schlechte Situation änderte sich erst als die Bedeutung des Schulunterrichtes erkannt, und die allgemeine Schulpflicht gefordert wurde. Aus einem Erlaß aus dem Jahre 1704 geht hervor, daß die Hauptaufgabe der Schule darin bestehe, die Kinder für das Christentum zu erziehen. Mit der Erkenntnis der Bedeutung des Lehrens, wuchs die finanzielle Versorgung und auch das Ansehen und die Stellung des Küsters.

Das blieb so, bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Dann wurden Kirche und Schule grundsätzlich getrennt. Aus den mittlerweile zu Kirchenbeamten gewordenen Schulmeistern wurden Staatsbeamte, die für ihren Schuldienst ausgebildet wurden. Mit dieser Trennung vom Schuldienst machte sich nun wieder die ungenügende Besoldung der Kirchendiener bemerkbar. Die Küster strebten eine bessere Besoldung, ein Ruhegehalt (sprich Rente) und eine geregelte Dienstanweisung an. Dazu schlossen sie sich zu sogenannten Interessengemeinschaften zusammen. Und in den einzelnen Landeskirchen entstanden so die Vereinigungen der hauptberuflichen Küster.

Die Arbeitsgemeinschaft Rheinischer Küster entstand im Jahre 1901 in Essen.

Damit haben sie nun einen kurzen geschichtlichen Überblick über den Küsterdienst erhalten. Über die heutige Situation dieses Dienstes werden und über die verschiedenen „äußeren Dienste“ werden sie in den nächsten Tagen noch einiges erfahren.

Trotzdem möchte ich mit Ihnen über das Berufsbild für Küster nachdenken.


Wie sieht heute das Berufsbild des Küster aus?

Um es zunächst einmal ganz kurz zu machen, es gibt kein schlüssiges, kein verbindliches Berufsbild für die Küster, die im Dienst einer Evangelischen Kirchengemeinde stehen. Die Besonderheit des Küsterdienstes ist , daß er ein sogenannter Erwachsenenberuf ist. Es gibt für diesen Dienst noch keine systematische Ausbildung, die für alle Evangelischen Landeskirchen bindend ist. In der Küsterordnung für die Westfälischen Küster wird lediglich gefordert, daß als Küster nur der Angestellt werden soll, der eine der Küstertätigkeit dienliche Ausbildung hat.

Ich habe gerade besonders Evangelische Kirchengemeinde betont, denn wären sie im Dienst der Katholischen Kirche, sähe das anders aus. Die Katholische Bischofskonferenz hat nämlich bereits 1980 für ihre Küster ein Berufsbild beschlossen, in dem ganz klar die Voraussetzungen formuliert wurden, die ein Küster zu erfüllen hat und auch die Dienste, die er leisten muß. Der Bund Europäischer Küster hat eine Broschüre herausgebracht mit dem Titel „Das Berufsbild“

Dieser Entwurf wurde zunächst gegliedert nach den Voraussetzungen für den Küsterdienst. Dort wird beschrieben, daß der Küster für die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gruppen und Kreisen gute Kontaktfähigkeit braucht. Ebenso gute Umgangsformen und Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen und Urteilskraft. Außerdem braucht er Entscheidungsfähigkeit im Rahmen seiner Aufgabenübertragung und die Fähigkeit, seine Arbeiten selbständig auszuüben. Weiter werden dann noch Eigenschaften beschrieben die ebenfalls für diesen Dienst Voraussetzung sind wie Treue, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Verschwiegenheit sowie eine christliche Lebensweise, die der Bedeutung des Dienstes entsprechen sollte.

Bei der Beschreibung der Aufgaben des Küsters wird dann ausgesagt, daß er für die äußeren Voraussetzungen des gottesdienstlichen Lebens im Alltag einer Kirchengemeinde sorgt. Obwohl ein Großteil seiner Aufgaben technischen oder organisatorischen Charakter besitzt, kann seine Tätigkeit nicht von den geistlichen Bezügen christlichen Lebens getrennt werden. Aus dieser Aufgabenstellung ergibt sich eine Tätigkeitsbeschreibung, die auf der einen Seite ein praktisches und technisches Gewicht hat, aber ohne das Wissen um die geistlichen Grundlage nicht sinnvoll ausgeübt werden kann.

Durch seine Präsenz in den Gebäuden und Anlagen der Kirchengemeinde ist der Küster Ansprechpartner für Besucher, Gäste und Gemeindeglieder. Er gibt Auskunft, übermittelt Informationen, und stimmt organisatorische Angelegenheiten ab. Er beantwortet Fragen, und steht vermittelnd und informierend zwischen Gemeindegliedern und Gemeindeleitung. Er trägt durch seinen Dienst dazu bei, daß sich die Gemeinde als Gottesfamilie mit Freude zu ihren Gottesdiensten, Veranstaltungen und Festen versammeln kann.

Die Tätigkeiten werden durch eine Liste beschrieben wobei Versuch unternommen wurde, alle Dienste des Küster aufzuzählen.

Danach ist noch etwas zur Ausbildung gesagt. Nämlich daß für eine Anstellung in den Küsterdienst eine abgeschlossene Berufsausbildung Voraussetzung ist. Diese Ausbildung sollte den Tätigkeitsbereichen des Dienstes entsprechen. Hier wurde nun bewußt eine allgemein gehaltene Formulierung gewählt, um nicht von vornherein etwas einzuschränken. Neben seiner Ausbildung wird der Küster in berufsbegleitenden Kursen für den kirchlichen Dienst ausgebildet z.B. Küsterlehrgang. Es heißt dort:

In Küsterlehrgängen wird er über die praktischen, geistlichen und theologischen Bezüge seines Dienstes unterrichtet. Eben das, was hier nun auf diesem Lehrgang geschehen soll.

Und aus alledem ergibt sich, das der Küsterdienst ein geistliches Amt ist, daß unmittelbar an der Verkündigung des Wortes Gottes durch den äußeren Dienst beteiligt ist und darum nicht als Job geleistet werden kann sondern nur als Beruf aus Berufung.

Das ist im übrigen weitgehend an dem Berufsbild der katholischen Schwestern und Brüdern angelehnt. Und wenn sie beide miteinander vergleichen, werden sie feststellen, daß wir gar nicht so weit voneinander entfernt sind.

Es gibt aber doch einen wesentlichen Unterschied. Denn das katholische Küsteramt erhält die Würde und seine Bedeutung durch die unmittelbare Beziehung zum Altar. Dies steht so auch in der Dienstanweisung. Der Dienst des katholischen Küsters bezieht sich also nur auf die äußeren Dienste bei gottesdienstlichen Handlungen.

Dem gegenüber haben wir in unserer Dienstanweisung eine weitergehende Fassung des Begriffes Küster. Da steht im § 1 der Küsterordnung: „Der Küster übt ein kirchliches Amt aus. Er dient und hilft der Verkündigung, insbesondere im Gottesdienst, bei Amtshandlungen und anderen Veranstaltungen der Kirchengemeinde und ist für die ihm anvertrauten kirchlichen Gebäude verantwortlich.“

Hier wird also genau beschrieben, welchen Dienst der Küster verrichtet. Und wer aufmerksam zugehört hat, dem ist auch der Unterschied zu unseren Schwestern und Brüdern der katholischen Kirche aufgefallen. Ist der Küster der katholischen Kirche, und auch in der evangelischen Kirche, die Person, die ihren Dienst in der Kirche verrichtet, so formuliert die Küsterordnung und auch das geplante Berufsbild nun: „Er dient und hilft der Verkündigung, insbesondere im Gottesdienst, bei Amtshandlungen und, – jetzt kommt die Erweiterung – „bei anderen Veranstaltungen der Kirchengemeinde.“ Und das sind eben die Veranstaltungen, die im Gemeindehaus stattfinden.

Diese Formulierung trägt einer Entwicklung Rechnung, die sich seit einiger Zeit in unseren Gemeinden widerspiegelt. Waren vor einigen Jahren unsere Kirchen des Sonntags beim Gottesdienst noch gut gefüllt, so kann man heute in  vielen Gemeinden die Gottesdienstbesucher schon fast an einer Hand abzählen. Aber die Besucher, die im Laufe einer Woche die Gruppen und Kreise im Gemeindehaus besuchen ist im Vergleich zu den Besuchern der Gottesdienste wesentlich höher.

Es hat also eine Wandlung von einer Verkündigungskirche zu einer Begegnungskirche stattgefunden.

Dieser Wandlung trägt die Anstellungsordnung dadurch Rechnung, in dem auch die als Küster bezeichnet werden, die „nur“ ein Gemeindehaus zu betreuen haben. Denn auch in der Bibelstunde, der Frauenhilfe, im Abendkreis, im Männerdienst oder wie die Gruppe auch immer heißen mag, findet ja Verkündigung statt. Insofern wird der Arbeit im Gemeindehaus in unserer Landeskirche die gleiche Bedeutung zugemessen, wie der Arbeit des Küsters in der Kirche. Wobei der Gottesdienst weiterhin die Mitte, der Mittelpunkt christlicher Gemeindearbeit bleibt. Aber der Vorbereitung und Betreuung der Gruppen und Kreise hat der Küster die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, wie dem Gottesdienstes.

Dabei werden sie mir bestätigen, daß die Gemeindehäuser heute ja nicht mehr nur genutzt werden, um die Konfirmanden zu unterrichten, die Bibelstunde abzuhalten, oder der Chor eine Platz zum üben hat. Die modernen Gemeindehäuser sind mehr und mehr zu Orten der Freizeitgestaltung geworden. Ausstattung und Einrichtung entsprechen unserem Lebensstandard und unseren Ansprüchen.

Da gibt es Sitzungsräume mit Clubgarnituren und Wandvertäfelungen aus wertvollen Hölzern. Die Gemeindeküchen sind mit den modernsten Einrichtungen ausgestattet wie Schnellspülmaschine und vollautomatischer Kaffeemaschinen. Im Keller ist eine Kegelbahn. Sie werden diese Liste mit Aufzug, Klimaanlage usw. verlängern können. Aber wir wollen nicht vergessen, daß diese Einrichtung, diese Gebäude errichtet wurde, um der Verkündigung des Wortes Gottes im Alltag Raum zu geben.

Darum ist für die Menschen, die sich in diesen Räumen treffen die Atmosphäre des Hause von besonderer Bedeutung.

Im Sonntagsblatt habe ich vor einiger Zeit einmal einen Bericht über der Küsterdienst gefunden. Er war mit „Der Raumpfleger Gottes“ überschrieben.

Besen, Schrubber und Scheuereimer sind unsere Werkzeuge geworden. Doch wozu nehmen wir sie? Zur Reinigung unserer Kirchen oder Gemeindehäuser, in denen Gottesdienste, Bibelstunden oder andere Veranstaltungen der Gemeinde gehalten werden sollen. Wir Küster schaffen die erste Voraussetzung dafür, und sie ist nicht zu unterschätzen. Denn kann in einer mit Spinngewebe oder mit Staub belegten Kirche, einem verschmutzen, unaufgeräumten Saal Dienst zur Ehre Gottes gehalten werden? Es ist eigenartig, ob man allein die Kirche sauber macht, oder den Saal umstellt, dann gehen die Gedanken zum nächsten Gottesdienst, zur nächsten Gruppenstunde. Wir kennen die Gemeinde. Oft beim Putzen der Plätze überlegen wir, hier sitzt Frau Sowieso und dort Herr Sowieso. Alle Plätze und Namen kennen wir, und es fällt uns auf, wenn einer unser ständigen Besucher fehlt. Die Glieder der Gemeinde wissen das. Darum sagen sie es dem Küster, wenn sie für ein paar Wochen Urlaub machen. Denn wenn kein Grund ihres Fehlens vorhanden ist, dann sagt der Küster dies dem Pfarrer oder der Gemeindeschwester und diese sehen nach dem Rechten. Doch die Gedanken verweilen nicht nur bei den Lebenden, sondern gehen auch zu den Verstorbenen. So manch leerer Platz erinnert an sie. Wenn wir die heiligen Geräte reinigen, den Altar schmücken, Lieder stecken und dies in Ruhe ohne Hetze tun dürfen, wenn der Saal für die Frauenhilfe geschmückt oder Blumen auf eine Kaffeetafel gestellt werden, dann merken wir die Last der Arbeit nicht, sondern die Arbeit wird zum Gottesdienst.

Hier wurde mit Worten das ausgedrückt, was für den Dienst des Küster wichtig ist, nämlich die Liebe zu seiner Arbeit. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Atmosphäre im Gemeindehaus und in der Kirche. Aber das ist es nicht allein, denn der Küsterdienst ist ein geistliches Amt.

Und damit kommen ich zu dem wichtigsten Punkt die Voraussetzungen für den Küsterdienst.

Voraussetzungen für den Küsterdienst

Dabei meine ich nicht die äußeren Voraussetzungen wie Zeugnisse oder Berufsausbildung. Ich möchte mit ihnen über die innere Ausrichtung des Küster zu seinem Dienst nachdenken. Ich hatte bei der Beschreibung des Berufsbildes schon ein paar Stichworte genannt.

Zunächst möchte ich sie aber darauf aufmerksam machen, daß der Küster neben dem Pfarrer die einflußreichste Person in der Gemeinde ist.

Sie stehen im Blickpunkt der Gemeinde. Sie stehen am Eingang der Kirche und begrüßen die Gottesdienstbesucher und geben ihnen das Gesangbuch. Sie begrüßen und leiten Gemeindehausbesucher in ihre Räumen, sind Anlaufstelle für Fremde, die Auskunft haben wollen oder stellen Kontakte her, die das Bild bestimmen, das sich Gemeindeglieder von einer Kirchengemeinde machen. Sie sind häufig Zuhörer für Gemeindeglieder, hören Fragen und Kritik von Gruppen und Kreisen und stehen vermittelnd und informierend zwischen Gemeinde und Dienststellenleitung.

Durch den Ton unserer Stimme, der Haltung unseres Körpers, der Wahl unserer Worte geben wir Signale, die unsere eigene Lebenseinstellung widerspiegeln. Die Gemeinde hat ein feines Gespür dafür, ob jemand die Rolle des Christen nur spielt oder wirklich im Glauben lebt. Jeder möge selber prüfen, ob er ein Leben zur Ehre Gottes führt und der Verantwortung des Dienstes gerecht wird. Denn darüber trägt jeder persönliche Verantwortung vor Gott.

Die Arbeit als Küster, der Dienst in der Kirche darf nie zu einer Last werden. Das Küsteramt sollte ein Beruf aus Berufung sein. Dann wird der Lohn, die Freude am dienen sein.

Das heißt jedoch nicht, daß unser Lohn das Dienen allein sein soll. So sind wir dankbar einen Arbeitsplatz zu haben, mit festen Gehalt und Arbeitsvertrag. Wir sind keine Idealisten, die gleichsam nur um „Gottes Lohn“ arbeiten. Sondern wir arbeiten auch, um uns und unsere Familie zu ernähren und unsere Existenz zu sichern. Wer aus dieser Sicht seinen Lohn als Gottes Lohn betrachtet, liegt dann auch in biblischer Betrachtungsweise richtig. Denn bei Luk. 10, 7 steht: „denn der Arbeiter ist seines Lohnes Wert.“

Es gibt keine vollkommene Küster, darüber sind wir uns alle im klaren, aber es sollte betende und lernende Küster geben. Ein Bibelwort bringt das, was den Küsterdienst prägt, besonders zum Ausdruck.

Matth. 23, 11: „Der Größte unter euch soll euer Diener sein.“

Das Wort dienen hat keine besonders guten Klang. In unserem Sprachgebrauch ist der Diener derjenige, der für andere Arbeit erledigt. Diener sind darum unterprivilegiert, ihre Stellung hat etwas Minderwertiges. Diener müssen sich von anderen etwas sagen lassen. Auf keine Fall hat ein Diener selbst etwas zu sagen, zu bestimmen, oder irgend welche Befugnisse. Aber die Bibel stellt diese Ordnung auf den Kopf. „Der Größte unter euch soll euer Diener sein.“

Jesus selbst nannte sich Diener. Und so ist das höchste Amt der Kirche das Amt des Dieners. Der Pfarrer ist Diener der Kirche, der Diakon dient den Armen und Kranken. Der Küsterdienst ist in dieser Reihe gleichwertig und keineswegs unter geordnet. Dienst kommt von Dienen. Und so dienen alle Ämter der Kirche der Verkündigung der Botschaft Gottes.

Wie dient nun aber der Küster ganz konkret im Alltag?

Der Küster dient, indem er betet. Das heißt, er sollte im Gespräch mit Gott stehen. - Wo ist heute noch Platz für ein Gebet -. In unserer lauten Zeit haben wir es besonders nötig, die innere Ruhe zu finden, vor Gott stille zu werden und die leisen Töne zu hören, die wir nur mit unserem Herzen wahrnehmen können. Auch das Beten muß geübt werden. (Rüstzeiten)

Der Küster sollte die Bibel lesen. Denn wer die Bibel nicht kennt, der kennt seine Heimat nicht. Wer als Diener im Hause des Herrn mitwirkt Gottes Wort zu verkündigen, muß es auch kennen. Darum liegt ein besonderer Schwerpunkt des Küsterlehrgangs bei der Bibelkunde.

Er sollte Zeit und Geduld bei seinem Dienst haben. Denn das sind wichtige Tugenden eines Küsters. Wie oft werden gerade Küster von Gemeindegliedern ins Vertrauen gezogen. Küster dienen den Menschen, und der Umgang mit Menschen erfordert Zeit.

Der Küster sollte hören können. Dabei ist hören nicht immer eine Sache der Ohren sondern oft auch eine Sache des Herzens. Darum müssen wir auch nicht immer sofort auf alles eine Antwort haben. Oft genügt allein das zuhören.

Er sollte schweigen können. Das werden sie sicher auch bestätigen. Denn in vielen Gesprächen öffnen die Menschen intime Bereiche ihres Lebens. Dinge die ihre Seele belasteten, bis sie jemanden finden, dem sie es anvertrauen konnten. Dann ist man Mitwisser, man muß dann mit tragen, und darf das Gehörte nicht bei andren weiter sagt.

Selber muß man in Gesprächen christlich sein. Denn auch Küster leben in der Anfechtung. Wir sind Menschen die in dieser Welt leben. So wie Gott Wirklichkeit ist, ist auch der Teufel, - die Versuchung - Wirklichkeit. Und wer der Meinung sein sollte, der Versuchung nicht zu erliegen, der ist ihr bereits unterlegen und in der Macht des Teufels. Denn die Sünde kommt erst ganz klein daher und hat sie sich erst eingenistet und die Phantasie und Gedanken beeinflußt, dann wird sie immer größer und größer bis sie den Menschen ganz in ihrer Gewalt hat.

Der Küster sollte die Menschen und die Welt kennen. Denn der Küsterdienst vollzieht sich nicht am unbekannten Objekt, sondern an konkreten Menschen, die geprägt und erfüllt sind von ihrer Umwelt, den Zeitströmungen und den verschiedensten Beziehungen in denen sie leben. Darum sollten wir uns auch mit den Problemen dieser Welt beschäftigen in der wir selber leben, damit wir den Zusammenhang zwischen der Welt und unserm Christsein nicht verlieren.

Und er muß Belastungen aushalten können. Sie wissen es ja selber, was stürmt im Küsterdienst nicht alles auf uns ein. Wir müssen uns nicht darüber Unterhalten was Streß ist. Streß im Wirtsinn. Das muß ertragen werden. Wie kann man das? Wichtig ist zu unterscheiden was wichtig und unwichtig ist. Was sofort und was später erledigt werden kann. Das man Dinge auseinander hält und nicht alles durcheinander wirft. Dabei muß man sich zur Ruhe zwingen. Nur dann kann man Dinge richtig Beurteilen. Wo her soll denn die Ruhe kommen, die dazu nötig ist? Gott selbst schenkt sie uns! Wer Verbindung mit Gott hat, bevor alles über ihm zusammen bricht, wird auch in Streßsituationen die Gewißheit seiner Hilfe haben.

Vielleicht kennen sie die Geschichte, die das, was ich ausdrücken möchte deutlich macht. Ein Mann hatte des Nachts eine Traum. In diesem Traum ging er mit Gott an einem Strand entlang. Vor seinen Augen zogen Bilder aus seinem Leben vorüber und auf jedem Bild entdeckte er Fußspuren im Sand. Manchmal waren es zwei Fußpaare, dann wieder nur von einem Paar. Das verwirrte ihn, denn er stellte fest, daß immer dann, wenn er unter Angst, Sorge oder dem Gefühl des Versagens litt, nur die Abdrücke von einem Fußpaar zu sehen waren. Deshalb wandte er sich an den Herrn: „Du hast mir versprochen Herr, du würdest immer mit mir gehen, wenn ich dir folgen würde. Ich habe aber festgestellt, daß gerade in der Zeit meiner schwierigsten Lebenslage nur ein Fußpaar in Sand zu sehen war. Wenn ich dich nun am dringendsten brauchte, warum warst du dann nicht für mich da?“ Da antwortete der Herr: „Immer dann, wenn du nur ein Fußpaar im Sand gesehen hast, mein Kind, habe ich dich getragen.“

Als Überschrift über den Küsterdienst möchte ich einen Vers aus den Brief des Paulus an die Kolosser setzen:

Kol. 3, 23: „Tut euren Dienst mit gutem Willen als dem Herrn und nicht den Menschen.“

Dieser Vers spricht vom Dienst am Herrn. Der Gegensatz zum Dienst dürfte wohl, in beruflicher Hinsicht, der Job sein. Und Job bedeutet wohl nur soviel wie "Mittel zum Gelderwerb" oder "Existenssicherung". Das sind sicher wichtige Ziele, wenn man gut Leben will, oder eine Familie zu ernähren hat. Aber diese Ziele können doch nicht die letzten Bezugspunkte unseres Handelns und Werkens sein.

Und dieser Vers ist sicher auch keine Aufforderung, daß wir Menschen, mit denen wir zusammenleben, vernachlässigen oder außer acht lassen sollen.

Die Aufgabe für Christen liegt in einem zweifachen Dienst. Im Dienst für Gott und im Dienst für den Mitmenschen. Denn die Arbeit ist eben nicht nur das Mittel zum Gelderwerb und zur Sicherung des Lebensunterhaltes sondern ist Dienst für Christus. Denn mit unserer Arbeit sind wir füreinander da. Es gibt keine unter- oder übergeordnete Arbeit. Jede Arbeit, jede Aufgabe hat ihren Platz und ihren Wert. Sie ist Dienst für Christus, und Dienst am Reich Gottes. Darum kann der Küsterdienst auch nicht als Job verrichtet werden sondern nur als Beruf von Berufung. Und darum dürfen wir unsere Arbeit nicht nur vor den Augen Gottes tun, sondern wir dürfen ihn auch um seinen Segen dazu bitten.

Zusammengetragen von Robert Blech, Geschäftsführer der arkk